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Die erste Woche in Deutschland

Sonntag, Mai 9th, 2010

An meinem ersten Morgen zurück in Deutschland, bin ich recht früh aufgestanden, um mich wieder an die deutsche Zeit zu gewöhnen. Komischerweise war ich gar nicht so müde. Mittags gab es dann Spargel und dazu Löwenzahlsalat. Schmeckte wunderbar. Nach einem Mittagsschläfchen ging es dann ohnehin schon zur Geburtstagsfeier vom Johannes ins Unicorne.
Beim Hineingehen ins Unicorne war es schon komisch das alles nach 3 Monaten wieder zu sehen. Auf jeden Fall wurde ich von all meinen Freunden sau nett gegrüßt. Irgendwie kam ich mich vor wie ein Exot. Ich war ja nur in Chile und nicht im Kongo. Auf jeden Fall musste ich viel erzählen.
Die Party ansonst war ein totaler Wahnsinn. Die Blechbaraba haben unglaublich geniale  bayerische Blasmusik gemacht. Dann haben die Salzburger Trumeter noch ein paar Ständchen gespielt und dem Johannes dabei einen riesigen Humpen geschenkt. Die Party nahm ihren Lauf und die Zeit verging schnell. Um 5 Uhr morgens war ich dann nach einem Abschlussumtrunk beim Johannes zu Hause endlich bei mir im Bett. So kann es weitergehen, dachte ich mir.
Aber so ging es nicht weiter. Am nächsten Tag wieder Regenwetter. Am Nachmittag war verkaufsoffener Sonntag und ich wollte meine Fotos abholen. Es war schon ein ziemlicher Schock für mich die Gesichter der Leute zu sehen. Ich hab mir wirklich gedacht „Leute, ihr seid hier freiwillig!! Ich möchte nicht wissen, was ihr für ein Gesicht macht, wenn ihr wo nicht freiwillig seid!!“
Am Abend sind wir dann noch Snookern gefahren. Ich hatte im Auto chilenische Musik und richtig gute Laune. Als dann ein Freund einsteigt und zuerst Mal ohne mich zu Fragen den Radio ausmacht, hab ich schon schlucken müssen. Gut, dann hören wir keine Musik, haben keine Gute Laune und sind mal schlecht drauf.
Am nächsten Morgen ging es dann das erste Mal für mich in die Arbeit. Als ich zur Türe rein kam, standen alle Mitarbeiter samt Chef in einem Halbkreis da und haben mich begrüßt. Mein Chef hat mich umarmt. Unglaublich, es war wirklich rührend. Zudem haben sie mir ein Fotobuch mit all meinen Geschichten, die ich hier im Blog geschrieben habe und mit meinen veröffentlichten Fotos überreicht. Danach gab es ein Weißwurstfrühstück. Ich wusste wirklich nicht was ich sagen sollte.
Die Arbeitswoche fällt unter die Rubrik Eingewöhnung. Sonderlich produktiv war ich nicht, was eventuell auch an den vielen Meetings gelegen haben kann. Auf jeden Fall sind wir in der Arbeit ein super Team mit netten Kollegen. Ich denke, dass ich mich da schon schnell wieder einleben werde.
Die Woche verlief bunt. Wir waren fast jeden Tag abends weg, so dass zum Trübsal blasen eigentlich keine Zeit blieb.

Am Freitag haben wir dann noch mit den Salzburger Trumtern im Kostüm auf der Burg gespielt. Danach sind wir im Hofreiter, Cantina und Beat Schuppen versumpft. War ein toller Abend.
Gestern hat dann der Wolfi seine Doktorarbeit gefeiert und wir haben das ganze unter ein chilenisches Motto gestellt. Zuerst gab es einen Pisco Sour, dann eine Ensaladia Chilena und als Krönung 1,5  Kilo Rinderlende am Stück vom Grill. Es hat sau gut geschmeckt. Man kann also auch in Deutschland vernünftig grillen. Besondern hat mich gefreut, dass alle begeistert waren, vom Pisco Sour, von der Ensaladia und natürlich vom Fleisch. So konnte ich etwas von meinem chilenischen Lebensgefühl vermitteln.

Was kann ich nun zusammenfassend sagen. Auch wenn die erste Woche hier unglaublich was geboten war, strengt mich Deutschland immer noch an. Zum einen ist es das Wetter. Es hat die erste Woche durchgehend geregnet. Das drückt unglaublich auf das Gemüt. Zum anderen sind es die Leute. So wie ich zur Burg im Kostüm ein bisschen später gekommen bin, weil ich noch Arbeiten musste. Da entgegnet mit ein Passant: „Sind ma spät dran, ha? Die anderen spielen schon“. Solche Sachen des Rummnörgelns, blöde Kommentare reißen über andere Leute, obwohl es einen nichts angeht, halte ich im Moment noch gar nicht aus.
Ich werde wohl noch einige Zeit brauchen, bis ich hier wieder gänzlich angekommen bin.
Habe ich mich verändert? Ja, auf jeden Fall und zwar ganz schön.
Werde ich mich hier wieder einleben? Auch hier ein ja, weil es auch hier ein schönes Fleckchen ist
Wie aber schon vermutet steckt eine Menge Chile in mir und das wichtigste ist es, dass davon bloß kein Stück verloren geht.

Danke Chile und wir sehen uns.