Altiplano Tour Arica-Altiplano-Iquique

1. Tag

Pünktlich hat uns der Fahrer mit seinem Bus nach dem Frühstück abgeholt. Irgendwas stimmte aber mit dem Fahrer nicht. Bei der Buchung war uns ein junger, auch englisch sprechender Fahrer versprochen worden. Der Fahrer war nun jedoch 55 und außer ein paar englischen Brocken, konnte von englisch-sprechend keine Rede sein. Zuerst sind wir dann auf den Markt von Arica gefahren und haben dort Obst eingekauft. Danach ging es ins Azapa Tal, um dort 1000 Jahre alte Geoglyphen und die über 7000 Jahre alten Mumien (die ältesten der Welt)  in einem Museum anzusehen. Anschließend sind wir über einen kleinen Pass mitten in einer Sandwüste nach Poconchile gefahren und dann weiter auf der Strasse nach Bolivien Richtung Putre. Unterwegs haben wir mehrfach Fotostopps gemacht. An der Strasse haben wir in einer Fernfahre-Kneipe eine Cazulea gegessen. Nach dem Essen gab es dann den ersten Mate de Coca meines Lebens. Schmeckt irgendwie wie grüner Tee, ist aber wirklich ganz lecker. Gegen die Höhe soll es ja auch helfen. Nach dem Essen machten wir einen Fußmarsch hinab in das Dorf Socoroma. Der Weg ist schon von den Inkas angelegt worden und war teilweise noch recht gut erhalten. Das Dörfchen klebte an einem Berghang, rundherum sah man die vielen Terrassen, auf denen Mais, Quinoa und Gemüse angebaut wurde. Bis auf eine nette Kirche hatte das Dorf aber wenig zu bieten. Dann ging es weiter mit dem Bus. Die Strasse schraubte sich immer höher bis nach Putre auf 3500m. In Putre angekommen, sind wir in ein schönes Hostel gefahren. Im Garten hatten die ein junges schneeweißes Alpaka. Unser Guide hat uns dann aber mitgeteilt, dass das Hostel heute geschlossen wäre und wir in ein anderes Hostel umziehen mussten. Also sind wir in ein anderes, einfacheres und nicht so schönes Hostel umgezogen. Ich hatte durch die Höhe schon richtig Kopfweh und gut war mit auch nicht. Beim Abendessen gab es dann Vicuña, was auch sehr gut geschmeckt hat. Nur konnte ich es nicht bei mir behalten und es blieb mir nur der zweimalige Weg auf die Toilette. Mich hatte die Höhenkrankheit richtig erwischt. Die Nacht war unruhig.

2.Tag

Am 2.Tag ging es mir eigentlich gut und somit ging es um 8 Uhr los Richtung Altiplano. Wir fuhren vorbei an unzähligen Lamas, Alpakas und Vikuñas. Die Landschaft wurde immer beeindruckender. Man sah kilometerweites Hochland. Am Horizont ragten die bunten Berge auf. Ganz oben stand der schneebedeckte Vulkan Parinacota. Nach einem Pass von 4700m Metern, kamen wir zum Lago Chungará auf 4500m, direkt an der bolivianischen Grenze. Man sagt, dass es der höchste See der Welt sei. Das hängt natürlich davon ab, wie man einen See definiert. Leider sind nun Wolken aufgezogen, so dass der Blick auf den Parinacota nicht ganz so spektakulär war, wie man es auf den Bildern kennt. Auch hat es etwas zu schneien begonnen. Zum Wärmen gab es erstmals Tee. Anschließend fuhren wir wieder hinunter zum Dorf Parinacota auf 4400m. Es ist ein wunderschönes Anden-Dort, wie man es sich vorstellt. Weiße Häuser und eine traumhaft schöne Anden-Kirche. Auf dem Dorf-Platz sah man Aymara-Frauen Wolle spinnen. Die Sachen haben sie in einem kleinen Laden auch verkauft. Um auf dem Rückweg die Tiere noch besser sehen zu können, sind wir über eine Schotterpiste zurück zur Hauptstrasse. Bei einem Fotostopp, wollte ich über die Wiese näher rann. Dummerweise war der Boden kein Moos , sondern irgendwelches Gewächs über einem Bach oder Tümpel, fachmännisch nennt sich das Bofedal. Ein Schritt und ich stand bis zur Hüfte im nassen Hochlandschlamm. Zu allem Überfluss hatte ich die Kamera in der Hand und somit war die auch unter Wasser. Mist. Ich hab vielleicht ausgesehen. Meine Bergschuhe, meine Hose, alles voller Schlamm. Glücklicherweise kam ich schnell wieder raus und hatte zudem Sachen zum umziehen im Bus. Aus der Kamera habe ich erstmal den Akku genommen und sie zum trocknen gelegt, das Gewand und die Schuhe haben wir im Bach gewaschen. So ein Mist, das fehlte gerade noch mit der Kamera. Aber es half alles nichts. Es ging also weiter erstmal zum Mittagessen. Es gab wieder eine einfache , aber gute Cazuela mit Mate de Coca an der Strasse nach Bolivien. Im Fernseher lief nebenbei ein Musik-Sender aus Bolivien. Die Musik war modern und traditionell zugleich, aber alles, wie man sich Musik aus Bolivien und den Anden klingt. Also moderner Gitarren- und Panflöten-Anden-Folk. Irgendwie sind die Gaststätten und die Atmosphäre genau so, wie man sich Altiplano im Kopf vorstellt und wie man es oft im Fernsehen sieht. Alles sehr einfach aber beeindruckend. Mittlerweile war strahlend blauer Himmel, so dass das Altiplano noch beeindruckender wirkte. Nur leider spielte mein Körper nicht ganz mit. Ich hatte den ganze Tag Kopfweh, war müde. Außerdem bekommt man hier oben wirklich kaum Luft. Wenn man ausatmet, dann spürt man kaum etwas. Ein kleiner Hügel, den man hinaufgehen will, strengt unglaublich an. In der Lunge sticht es beim Atmen immer ganz leicht. Man sagt, dass die Höhe hier als besonders schlimm empfunden wird, weil durch die Wüsten im Tal keine Pflanzen da sind, die Sauerstoff produzieren. Somit sind 3500m hier viel schlimmer, als in den Alpen auf gleicher Höhe. Ich hab vorher auch über Leute gelacht, die über Höhenkrankheit hier geklagt haben, jedoch ist mir das Lachen schnell vergangen. Beim Rückweg nach Putre sind wir noch in heißen Quellen baden gewesen.
In Putre konnten wir dann in das andere Hostel umziehen. Das war viel schöner und geräumiger und zudem hatte es ja das weiße Alpaka, das da als Haustier einfach so rumlief. Nach 2 Stunden Schlaf, habe ich auch meine Höhenkrankheit überwunden und es konnte zum Essen gehen. Nach dem Essen sind wir noch im Hostel mit dem Besitzer kleben gebliebene, haben Wein getrunken und geratscht. War super lustig. Außerdem haben wir erfahren, dass das Hostel am Vortag gar nicht zu war. Keine Ahnung, was unser komischer Fahrer für einen Mist erzählt. Er geht uns jetzt schon auf die Nerven.

3.Tag

Mir geht es super heute. Endlich keine Probleme. Gleich nach dem Aufwachen, habe ich die Kamera ausprobiert. Zuerst sah es gut aus. Dann wieder nicht. Nach ein bisschen hin und her, ging alles bis auf den Zoom. Juuuhuuu. Nun fahren wir wieder hoch, fast bis zum Lago Chungará. Dann biegen wir auf eine Schotterpiste ein, die uns nun über eine Strecke von 200km bis nach Colchane bringt. Gleich zu Beginn gabeln wir 2 Aymara-Frauen auf, die zu einem 50km entfernten Dort wollen. Es ist Wahnsinn, dass in dieser Einsamkeit jemand wohnt. Die Frauen sind jedenfalls deutlich netter, als unser Fahrer. Zeitweilen sprechen sie mit unserem Fahrer auf Aymara, das mit dem Quechua verwandt ist. Nach 50km mitten im Nichts auf ca. 4200m steigen die beiden Frauen aus und sagen, dass sie nun noch 1.5 Stunden bis in ihr Dort laufen müssen. Puhh. Wir fahren weiter vorbei am aktiven Vulkan Guallatire. Man sieht richtig schön am Gipfel den Rauch aufsteigen. Über den Ort Gualltire erreichen wir dann die Passhöhe und erblicken das erste mal den Salar de Surire. Eine riesen Becken mit strahlend weißem Salz gefüllt umrahmt von 6000-endern. Leider wird in einem Viertel des Sees Salz abgebaut, was die Atmosphäre etwas trübt. Wir machen Rast in einem Refugio und können Vizcachas sehen. Anschließend fahren wir zu heißen Schwefelquellen und sehen beim vorbeifahren Flamingos im Salzsee. Die sind so scheu, dass man sie mit einem normalen Foto gar nicht fotografieren kann. Schade. Nach dem Erlebnis von gestern, hatte ich jedoch keine Lust mich nass zu machen. Nun stand uns noch eine etwa 3 stündige Fahrt über Schotterpisten und eine Pass mit 4900m Höhe nach Colchane an der bolivianischen Grenze bevor. Es war endlos, aber wunderschön. Auch die Landschaft. Eine Schotterpiste, Altiplano-Landschaft eingerahmt von 6000 Meter hohen Berge, ein Vulkan nach dem anderen. In Colchane kamen wir in einem recht schönen Hostal nur 300m von der Grenze entfernt an. Der Ort ist hässlich. Es gibt hier nur von 19-24 Uhr Strom. Das Abendessen, dieses Mal Lama, war aber sehr gut. Die Nacht war etwas unruhig. Es fehlt auf 3750m doch Luft zum ruhig schlafen.

4.Tag

Nun ging es talwärts. Wir machten einen Stopp an Höhlen mit alten Höhlenmalereien in einer tollen Kaltsteinlandschaft. Es ist wirklich sonderbar hier in Chile. Da gibt es Höhlenmalereien, die Strasse führt direkt vorbei, man sieht kein Schild und die Malereien sind nicht geschützt und gar nichts. Unglaublich wie leichtsinnig da mit Kulturgut umgegangen wird. Nach den Höhlen fuhren wir etwa 2 Stunden weiter talwärts bis wir in die Atacama-Wüste kamen. Es wächst hier wirklich nichts. Es ist ein Meer aus Sand und Stein. Beeindruckend ja, aber auch bald eintönig. Schließlich kamen wir zum Geoglyhpen El Gigante de Atamaca, einem 85m großen Scharrbild eines Herrschers auf einem Wüstenhang aus dem 9 Jahrhundert. Schon beeindruckend, aber ich hätte es mit toller vorgestellt. In den Reiseführern haben die das immer sehr günstig fotografiert. Toll war die Ausdehnung der Wüste von dort zu sehen. Im Hinterrund sah man noch die Anden , auf der anderen Seite die Küsten-Cordilliere. In der Wüste am Horizont schillerte es, als ob es Wasser wäre.
Nach einem Mittagessen in einer Raststätte in Huara ging es Richtung Iquique. Wir machten noch einen Stopp in Humberstone. Das ist ein verlassenes Dort auf der Salpeter-Zeit. Es ist dort wirklich so, als hätte man die Uhr angehalten. Durch die Wüste ist aller s super erhalten. Man kann in die Häuser gehen und alles ansehen. Hier könnte man einen Tag verbringen und immer neues entdecken.
Schlussendlich hat uns der Fahrer dann in Iquique abgesetzt. Wir sind abschließend erstmal einen Pisco Sour trinken gegangen, weil wir so froh waren diesen Typen los zu sein. Unglaublich, was der alles erzählt hat.

  • Dörfer waren angeblich verlassen, stimmte aber nicht
  • Die Berge, die er uns gezeigt hat, stimmten nicht
  • Er wollte am liebsten Aymara reden, dummerweise kann ich aber nur spanisch
  • Er wollte mir erzählen, dass es Pisco Sour nur in Peru gibt. Dieses Getränk ist aber das Nationalgetränk von Chile und ich weiß nicht wie viel ich davon in Santiago getrunken habe
  • Er wollte mir erzählen, dass ganz Deutschland kommunistisch war. Bitte??
  • Er hasst die Chilenen und alles chilenische. Hier wurde es wirklich persönlich. Lasst mein Chile und meine Chilenen in Ruhe 🙂

Zumindest haben wir die Tour genossen und diesen Idioten ab dem 2, Tag ignoriert. Auf jeden Fall war die Altiplano-Tour trotz der gesundheitlichen Probleme jede Mühe wert. Wenn man diesen Artikel liest, dann kommt alles sicher sehr trocken rüber, das liegt aber einfach auch daran, dass man diese Landschaft mit Worten einfach nicht beschreiben kann. Ich hoffe, dass die Fotos das gesehene halbwegs rüber bringen können.

In Iquique (Tag 5)

Gestern haben wir hier in Iquique kein vernünftiges Quartier mehr bekommen. Also hieß es Hostel und das in einem 8er-Zimmer. Nie mehr in meinem Leben. Ich bin da einfach zu alt dafür.
Iquique ist ein ganz netter Ort mit vielen alten Häusern aus der Salpeter Zeit. Aber irgendwie ist hier in der Stadt nichts los. Alles hat geschlossen, man sieht keine Leute in den Cafes. Komisch, es dich doch heute Samstag und da haben viele Leute frei. Auch gestern Abend war hier nichts in der Stadt los. Es gibt hier zwar einen sehr schönen Strand und eine lange Promenade, aber dummerweise spielte heute das Wetter nicht mit. Wenigstens komme ich so dazu den Blog mal zu schreiben und die Ereignisse der letzte Tage festzuhalten. Um 23:30 Uhr geht es dann mit dem Nachbus über Calama nach San Pedro de Atacama. Dort werde ich dann morgens gegen 9 Uhr zum Frühstück aufschlagen. Dort gibt es dann auch für die nächsten 3 Nächte ein schönes Einzelzimmer in einem glaub ich ganz netten Hostal. Ist zwar in San Pedro kein Schnäppchen (wobei 19000$ auch ned die Welt ist), aber ein eigenes Zimmer ist sein Geld wert. Ich hab ja auch Urlaub.