Argentina es diferente

Am nächsten Tag bin ich erst  nach 10 Uhr aufgestanden. Dann erstmal so die Gegend erkundet. Was einem sofort auffällt, dass in Chile der Lebensstandard schon höher ist. Nicht krass, aber man sieht es. Es ist weniger europäisch als Chile. Viele alte Häuser gibt es in Mendoza nicht. Die sind alle bei einem Erdbeben Anfang des Jahrhunderts kaputt gegangen. Somit gibt es vor allem neuere, uninteressantere Gebäude. Die Straßen sind aber alle schön bunt und mit Reklameschildern nur so gepflastert. Hat seinen Reiz.
Da die Region um Mendoza für ihre Weine berühmt ist, wollte ich aufs Land zu eben so einem Weingut. Also erstmal ins Touristen-Büro und nachfragen. Aha, also ganz einfach zwei Straßen weiter den Bus 173 nehmen. Als ich dort angekommen war, habe ich herausgefunden, dass man den Bus nur mit Münzen oder Wertkarten nutzen kann. Also im Kiosk erstmal eine Wertkarte gekauft. Gleichzeitig hat man versucht mir eine Wein-Bike-Tour aufzureden. Nein danke. Als dann besagter Bus 173 kam, hab ich zur Sicherheit den Busfahrer gefragt, ob er zu dem Weingut fährt. Die Antwort war nein, es wäre der Bus 174. Ein Passant sagt Nummer 171 wäre richtig. Die 172 schied glücklicherweise aus. Also am besten Mal dem Busfahrer glauben und die 174 nehmen. Hat auch gepasst. Nach einer Stunde Kurverei durch die Vorstädte war ich nur 2km vom Weingut entfernt. Man war jetzt schon in einer etwas anderen Welt als in Chile. Auf der Landstraße sah man alte,  überladene Kleintransporter, LKW, die einen riesen Krach machten und richtig stanken. Vor allem fielen aber die Siedlungen auf. Die Straßen waren purer Staub und die Häuser sahen zwar nicht schlimm, aber auch nicht nach Luxus aus.
Also bin die 2km zum Weingut gegangen. Links und rechts neben der Straße sah man nichts als Weinberge. Im Hintergrund die verschneiten Anden. Ein wunderbares Bild.
Angekommen im Weingut schloss ich mich einer Führung an, die wirklich nett gemacht war. Danach gab es 4 Kostproben. Puhh, der argentinische Wein hat zwischen 13 und 15 %, und das am frühen Nachmittag. Es gab auch ein echt nettes Restaurant und ich hätte dort auch gerne was gegessen, aber es gab am heutigen Tag nur Lamm.
Also zurück nach Mendoza. Da ich keine Lust hatte die 2 km zurück zu laufen, habe ich auf der Landstraße einfach den nächsten Linien-Bus angehalten, der in die Richtung fuhr. Der Busfahrer hat mir nach dem Einsteigen aber eröffnet, dass er nur bis in den nächsten Ort Maipú fährt. Meine Wertkarte war nun aufgebraucht und ich stand in Maipú. Die Karte muss ich also nun nur aufladen und dann könnte ich ja den Bus nach Mendoza nehmen. Also erneut fragen. Die Antwort einer Frau mit Kind, die ich fragte, wo man denn hier die Wertkarten aufladen könne, war  kurz und knapp: „Um diese Uhrzeit hier gar nicht“. Sie fragte weiter, ob ich Münzen hätte. Ich musste das verneinen. Darauf hat sie nur gemeint. Nicht so schlimm, ich solle einfach schnell zwei Straßen weiter mit zu ihr nach Hause kommen und dann wechselt sie mir. An der Haustüre bekam ich mein Geld gewechselt und noch die beste Busnummer für die Rückfahrt. Ich hab mich tausend Mal bedankt und war total platt von der Hilfsbereitschaft.

Zurück in Mendoza hatte ich erstmal Hunger und somit ging es in ein Straßenrestaurant. Churrasco (auf dem offenen Feuer Gebratenes) mit Salat stand auf der Tageskarte für 35 Pesos (6€). War super und eine riesen Portion. Dann erstmal ins Hotel ausruhen.
Um etwa 8 Uhr ging es dann los zum Abendessen. Auch hier hab ich ein nettes Restaurant in der Fußgängerzone gefunden. Es standen die verschiedenen Gerichte mit Lomo (Lende) zur Auswahl, die sich nur in der Beilage unterschieden. Man konnte zwischen Pommes und einem Champignon oder Pommes und Erbsen wählen. Man sieht schon, der Beilage wird wenig Beachtung geschenkt. Ich muss auch wirklich sagen, dass es mit das beste Stück Rindfleisch war, dass ich je auf meinem Teller hatte. Es zerfiel fast, war saftig und kein bisschen fasrig oder sonst was. Also das Rindfleisch in Argentinien ist kein Gerücht, sondern eine Tatsache.
Nach dem Essen brauchte es einen Verdauungsspazierung. Auf den Plätzen und den kleinen Park waren unglaublich viele Leute unterwegs. War eine tolle Sommer-Abend-Stimmung. Danach ging es ins Hotel.

Am Sonntagmorgen hatte ich ja nicht mehr viel zu tun. Also noch mal kurz durch die Stadt und dann in den großen Stadtpark. Auf dem Weg haben mich zwei Leute gebeten, dass ich ein Foto von ihnen mache und mich gefragt, ob ich aus Venezuela komme. Häää. Also so schau ich echt überhaupt ned aus. Auf jeden Fall ist schmeichelhaft, dass man mich nicht auf den ersten Blick als Deutschen erkennt.
Der Park ist riesig und echt schön. Es fällt sofort auf, was Argentinier Sonntagmittag im Park machen: Die ganze Familie trifft sich, es wird gegrillt und dabei Fußball gespielt. Es ist also kein Klischee. Argentinien ist Asado und Fußball.

Um 14 Uhr ging dann auch schon wieder der Bus zurück nach Chile. Diesmal bei Tag. Es ist wohl die eindrucksvollste Landschaft, die ich je gesehen habe. Zuerst die unendlich Weite und dann erheben sich die Anden in einem weitläufigen Flusstal. Die Berge nennen sich „cerros coloridos“ (bunte Berge) und sie machen ihrem Namen alle Ehre. Danach wird das Tal enger und die Straße klebt am Berghang. Die Gegend ist menschenleer. Die Berge werden höher und höher. Danach geht es durch ein ewiges Hochtal Richtung Scheiteltunnel. Obwohl die Straße nun auf 3100m angelangt ist, sind die Berge rundherum immer noch unglaublich hoch. Durch ein Seitental konnte man den verschneiten 6900m hohen Aconcacua sehen.
Nach dem Scheiteltunnel kamen wir an die argentinisch-chilenische Grenze. Also wieder die selbe Prozedur. Warten, dann aussteigen und die Stempel holen. Auch wenn man die Prozedur schon kennt, ist man hier doch immer etwas angespannt. Als ich beim Abholen des argentinischen Ausreisestempels an der Reihe war, nimmt der Grenzer meinen deutschen Pass und entgegnet mir mit herrlichem argentinischen Akzent: „Guten mein Herr, wie geht es Ihnen?“. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Der Grenzer hat dann auch gelacht. Man rechnet mitten in den Anden in Südamerika an der Grenze mit viel, aber damit nicht. Nach der Gepäckvisite ging es dann weiter. Diesmal ging es schnell, es hat nur eine Stunde gedauert.
Nach der Grenze geht die Straße steil hinunter über viele Serpentinen. Lastwagen quälen sich hinauf und hinunter. Eine tolle Straße.

Nach langer Fahrt kam ich dann am Busbahnhof in Santiago an. War irgendwie komisch dunkel alles. In den Vierteln um den Busbahnhof gab es kein Licht. Im Busbahnhof schon. Die Metro fuhr auch nicht. Am Busterminal waren riesen Schlangen. Was ist los hier? Also bin ich einfach in den nächstbesten Bus eingestiegen, der so mehr oder weniger in meine Richtung fuhr. Im Bus habe ich erfahren, dass der Bus ziemlich genau bei mir zu Hause vorbei kommt. Die ersten 10 Minuten fuhren wir durch ein dunkles Santiago. Dann gab es auf einer Länge von 3 km Licht, danach wieder Dunkelheit. Nur die Autos und die Häuser mit Notstrom gaben Licht. Zu Hause angekommen, im Kerzenlicht, habe ich erfahren, dass es einen apagón (großen Stromausfall) gab, der etwa 90% des Landes betraf. Wie kann so was sein? Stromausfall für 90% eines Landes? Krass. Nach etwa einer Stunde kam dann der Strom zurück und ich ging nach einem erlebnisreichen Wochenende ins Bett

Hier nun ein paar Unterschiede zwischen Chile und Argentinien:

  • Alles ist viel billiger
  • Fußgängerampeln sind eine Seltenheit, was das Überqueren der Straßen schwierig macht
  • Die Busse sind alt, aber dafür schön bunt
  • Das Brot ist genauso schlecht, wie in Chile
  • Man sieht noch mehr junge Leute auf der Straße
  • Das Durchschnittsalter der Auto dürfte zwischen 20 und 30 Jahren liegen. Unglaublich, was da noch fährt. Teilweise sind echte Oldtimer hier im Alltag im Einsatz. Den Lärm und Gestank verbessert das aber nicht
  • Argentinien trifft mehr das Klischee von Südamerika als Chile