Nach Punta Arenas – Patagonia y Magellanes

Erster Tag, 2.4.:

Am Freitag Abend hat die Familie hier noch das ganze Erdegeschoß voller Dachlatten gelegt. Das Erdbeben hat dem Dach den Rest gegeben, so dass es nun wahrscheinlich nicht mehr dicht ist. Gut, dass ich übers Wochenende nicht da bin. Heute hat mich der Flughafen Transfer pünktlichst abgeholt. Am Eingang zum nationalen Terminal konnte man immer noch das Check-In-Zelt sehen, das als  Ersatzterminal nach dem Erdbeben aufgebaut wurde. Sonst hat man am Flughafen nicht mehr viel sehen können. An der Decke hat hier und da die Verkleidung gefehlt und man wurde ziemlich viel rummgelotzt. Positiv viel auf, dass man hier in Südamerika noch ohne Probleme seinen Waschbeutel mit ins Handgepäck packen kann. Schön, dass die hier nicht jeden Mist, der von den Amerikanern und en Europäern kommt, mitmachen. Waffen sind aber trotzdem verboten, worauf auch detailliert hingewiesen wurde :-). Auch der Flug startete absolut pünktlich. Das Flugzeug von Skyairline war eine alte 737-200, die bestimmt schon 25 Jahre auf dem Buckel hatte. Der Flug war aber absolut ruhig und der Service exzellent. Bis Puerto Montt, wo es eine Zwischenlandung gab, gab es erstmal ein ausgiebiges Frühstück. Die Landschaft auf dem Weg war reizvoll. Von Santiago wurde es immer grüner. Dann kam ein Vulkan nach dem anderen, der sich hinter den Seen in den Himmel erhob. Die meisten mit einer weißen Kuppe aus Schnee. Nach den ersten 1000km und dem Lago LLanquihue und dem Vulkan Osorno, welche beide ein Wahnsinns Bild abgeben, ging es in den Landeanflug nach Puerto Montt. Die Gegend sah hier genau so aus, wie zu Hause. Man hätte auch in der Nähe vom Chiemsee landen können. Gut, dass ich statt dem Süden von Chile nach meinem Praktikum den Norden mache. Da sieht man wenigstens einen Kontrast zu zu Hause. Kein Wunder, dass sich hier so viele Deutsche im letzen Jahrhundert niedergelassen haben.  Nach dem Auftanken ging es weiter Richtung Süden. Es lagen noch mehr als 2000km vor uns und nun gab es ein ausgiebiges Mittagessen. Ich war nachher total satt. Zuerst hüllte sich alles in Wolken. Dann konnte man aber zwischen einigen Lücken Berge, Seen und die ersten Gletscher erkennen. Das Eis nahm zu, die Gletscher wurden mehr, schillerten in tiefen blau und ergossen sich in einzelnen Fjorde, wo sich Treibeis bildete. Das steigerte ich solange bis alles nur noch weiß war. Aus der weißen Fläche ragten nur einzelnen Felsen. Das waren die beiden südamerikanischen Inland-Eisfelder „Campo de Hielo de San Valentin“ und „Campo de Hielo Sur“. Die zwei größten Eismassen auf der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis. Jedes 250km breit und lang. Mindestens eine halbe Stunde sind wir nur über Eis und Gletscher geflogen. Es war mit Abstand die beeindruckendste Landschaft, die ich je überfolgen habe. Jeder Gletscher in den Alpen ist da was fürs Kinderzimmer. Nach den Eisfeldern kam ein hohes Felsmassiv. Das Massiv des „Torre del Paine“. Direkt danach wurde es flach und öde. Einsames Grasland ohne Bewuchs. Man konnte die Magellanstraße bis zum Atlantik sehen. Kurz darauf landeten wir auch schon (nach knapp 4 Stunden und 3000km) am Flughafen in Punta Arenas. Gleich beim Aussteigen merkte man, dass es hier ziemlich frisch war. Es blies ein kalter Wind. Welcher Trottel packt da seine beiden Jacken ganz unten in den Rucksack, so dass er erstmal alles ausräumen muss? Mit dem Transfer ging es dann ins Stadtzentrum. Ich wollte mich gleich im Touristen Büro nach einer Pinguin-Tour erkundigen. Aber am Karfreitag hat das natürlich zu. Also erstmal in die Unterkunft. Das Hostel war wirklich nett. Ähnelte eher einer Berghütte mit hübschen Zimmern. Passte einfach super in diese unwirkliche Gegend. Im Hostel hab ich dann einfach mal nach einer Tour gefragt und schon hatte die Besitzerin den Telefonhörer in der Hand und hat rumtelefoniert. Die meisten Touren zu den Pinguinen gibt es nur bis März, da war ich ja dann 3 Tage zu spät dran. Trotzdem hat sie nach 3 Telefonate was gefunden. Ich sollte gleich losgehen und reservieren, was ich auch gemacht habe. Nach 30 Minuten stand alles fest. Es hieß um 5:30 Uhr aufstehen am nächsten Tag. Nun blieb noch Zeit für einen Spaziergang durch die Stadt und auf den Aussichtshügel der Stadt. Hier oben sind Wegweiser in die Städte aller Welt aufgestellt. Nach Deutschland sind es 13500km. An den Südpol doch immer noch 4000km. Trotzdem werde ich wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr näher an den Südpol kommen. Die Stadt Punta Arenas ist an sich nichts besonderes. Sie besteht aus recht vielen bunten Häusern und zwei Einkaufsstraßen. Unten am Meer haben sie eine neue Hafenpromende angelegt. Dort kam ich dann endlich mal in die Gelegenheit meine Hand in südamerikanische Gewässer zu halten. War gar nicht so kalt. Aber ich war im Zwiespalt. War es der erste Kontakt mit dem Pazifik? Eigentlich nicht, weil es war ja ein bisschen Atlantik und ein bisschen Pazifik hier an der Magellan-Straße. Toll ist es auf jeden Fall, dass man auf der anderen Seite der Magellan-Straße immer ganz klar Feuerland stehen sieht. Zum ersten Mal wurde ich in meiner Zeit hier Schoko-rückfällig und hab mir für  ein Heiden Geld eine Nestle-Schokolade gekauft. Die Schokolade ist sonst einfach nicht so gut hier. Nun ging es ins Hostel. Es war nun schon ziemlich kalt. Auch im Hostel war es nicht unbedingt wärmer. Da half auf der Sonnenuntergang mit Blick auf Feuerland aus meinem Fenster nicht weiter.

Zweiter Tag, 3.4.:

Um 5:30 Uhr klingelte der Wecker. Es war im Zimmer eisig kalt. Alles war klamm und alles war dunkel. Es gab wieder mal einen Apagón, zu deutsch einen Stromausfall, der ein ganzes Viertel oder eine ganze Stadt betrifft. Also alles im Dunkeln organisieren. Als ich dann zum Treffpunkt gelaufen bin, gab es nach ein paar Straßen auch wieder Licht. Also betraf es nur das Viertel. Am Treffpunkt waren schon einige Leute und so ging es dann auch in Minibussen los zur Bootsanlegestelle. Die Busse waren nicht mehr so ganz fit, so dass bei der einen oder anderen Bodenwelle schon mal der Reifen am Radkasten anging. Naja, das Jesuskreuz am Spiegel wird es hoffentlich richten. Aber wir kamen gut am Steg an und kletterten auf das Boot. Dann fuhren wir ca 30 Minuten zur Isla Magdalena mitten in der Magellan-Straße. Als wir ankamen wurde gerade eine Gruppe Kreuzfahrer abgeholt. Danach konnten wir anlegen. Man konnte die Pinguine schon von weiten sehen. Auf der Insel gab es hunderte Pinguine. Sonst war die Insel völlig kahl. Es wuchs fast kein Grashals auf der Insel. Dazu kam das Wetter. Es hatte zwischen 0 und 2 Grad, dazu gab es ein paar große Regentropfen und einen eisigen Wind. Wenn man dann noch die beiden Holzhütten am Steh sah, dann hatte man fast das Gefühl direkt in der Antartiks zu gelandet zu sein. Ich denke, das war wohl der extremste Ort an dem ich je war. Die Pinguine waren aber echt witzig. Sie wirken so ungeholfen, wenn man sie durch die Gegend watscheln sieht. So was mal in der Natur zu sehen…. .  Man konnte auch relativ nahe hin. Vom Leuchtturm hatte man dann eine guten Ausblick auf die Insel und die Magellan-Straße und auf Feuerland. Nur das Wetter wurde nicht besser. Mit dem Boot ging es dann weiter zur Isla Marta. Der Seegang wurde rauer und die Wellen höher, was den Kapitän aber nicht davon abhielt langsamer zu fahren. Nach jeder Welle schlug das Boot wieder heftig auf dem Wasser auf. Kann sein, dass mein Platz ganz vorne im Boot auch nicht der günstigste war. Zumindest habe ich nette Leute kennengelernt. Eine aus Guatemala und eine aus Deutschland, welche beide nun mit dem Polar Forschungsschiff Polarstern zurück nach Deutschland fahren. Hier runter scheint es auch nur extreme Leute zu verschlagen. An der Isla Marta haben wir dann noch einen ganzen Haufen großer Robben und Kormorane gesehen. Jetzt war auch mir trotz T-Shirt, Woll-Pulli, Fleece-Jacke, Outdoorjacke und Bergschuhen eisig kalt. Wie haben das mach andere in Turnschuhen wohl durchgestanden. Dann ging es zurück mit dem Boot auf Festland und dann in den Bussen nach Punta Arenas. Dort wollte ich mich erstmal im Hostel aufwärmen. Fehlanzeige. Auch da war es eisig kalt. Was bliebt war, sich eine Stunde mit Hose und Pulli ins Bett zu legen, dazu dann eine Tasse Tee. Nach einer Stunde war ich wieder fit und konnte noch am Strand entlang laufen

Dritter Tag, 4.4.:

Am dritten Tag musste ich erstmal ausschlafen. Danach bin ich noch in die Stadt und dann ginge s auch schon zum Flughafen. Pünktlich ginge es los Richtung Puerto Montt und Santiago. Bis Puerto Montt war hatte ich eine Reihe für mich, dann stieg ein augebretzeltes Mädel zwischen 20 und 30 ein. Irgendwie kam die am Anfang ziemlich arrogant rüber. Irgendwie sind wir dann ins Gespräch gekommen. War dann wirklich nett und auch sehr interessant. Sie arbeite bei einem Fernsehsender und hatte dadurch auch viel bei den Festspielen von Viña zu tun. Sie hat mir dann gleich einen ganzen Haufen Foto von ihr mit allerlei Bekannten Leuten, wie Americo, gezeigt, von denen ich aber als Deutscher nur die wenigstens kannte. Auf jeden Fall war es so kurzweilig und ein weiteres Mal kann ich sagen, dass der erste Eindruck auch täuschen mag.

Puhh, jetzt hab ich aber einen echten Roman geschrieben. Zusammenfassend kann ich sagen. Es war ein beeindruckendes Wochenende. So südlich werde ich wahrscheinlich in meinem Leben nicht mehr kommen. Es lohnt ich dort einmal hinzufahren. Wegen der karren Landschaft, wegen der Pinguine. Ein Leben dort, wäre für mich aber unvorstellbar. Wenn die Sonne scheint, ist es dort ganz nett, aber wenn es erstmal regnet drückt es schon ganz schön auf die Stimmung. Und ich war dort quasi in der guten Jahreszeit. Es bekommt im Sommer dort maximal 14 Grad. Es gibt nicht viele Orte die ein viel schlechteres Wetter haben als Deutschland. Punta Arenas gehört auf jeden Fall dazu. Im Moment sitze ich hier in Santiago kurzärmlig bei offenem Fenster und genieße die Wärme.