¡¡Que te vaya muy bien, Chile!!

Nun ist der Tag gekommen an dem ich nach knapp 3 Monaten dieses wunderschöne Land verlassen muss. In wenigen Stunden muss ich zum Flughafen fahren.
Es ist Zeit ein Resumé zu ziehen. Ich kam hier mit dem Ziel her, neue Erfahrungen zu machen, ein fremdes Land intensiv kennen zu lernen, aber vor allem war es auch ein Sprung ins kalte Wasser und ein Selbstversuch, ob ich es schaffe diese Zeit so weit weg zu meistern. Alle diese Erwartungen haben sich erfüllt. Ich bin in dieses Land eingetaucht und mir ist es unglaublich ans Herz gewachsen. Ich glaube in mir steckt jetzt ein ganzes Stück Chile, was heißen will, dass ich mich schon etwas verändert habe. Ob zum Positiven oder zum Negativen, das wird sich dann erst in Deutschland herausstellen.

Was gibt es nun über dieses dünne Land am Ende der Welt zu sagen, das so lang ist, dass wenn man den Nordzipfel von Chile an die Grenze Deutschland-Dänemark legen würde, die Südspitze von Chile mit Feuerland mitten in der Sahara im Niger liegen würde. Und Punta Arena kurz vor Feuerland ist eigentlich erst die Hälfte von Chile, wenn man den Anteil an der Antarktis bis zum Südpol auch noch mitrechnet. Es klar, dass so ein Land vielseitiger nicht sein kann. Dies beschreibt auch folgendes Sprichwort:

Cuando dios creó el mundo, le sobraba un poco de todo – montañas, desiertos, lagos, glaciares, bosques, playas – y lo puso todo en su bolsillo. Pero en este bolsillo había un hoyo, y mientras dios estaba caminando por el cielo, caía todo y la huella que así quedó en la tierra, era Chile.

Als Gott die Welt erschuf, hatte er von allem ein bisschen übrig – Berge, Wüsten, Seen, Gletscher , Wälder, Strände – und er steckte alles in seine Tasche. Doch die Tasche hatte ein Loch, und während Gott durch den Himmel wanderte, rieselte alles heraus, und die Spur, die so auf Erde blieb, war Chile.

Ich hatte in meiner Zeit hier das Glück, all das mit meinen eigenen Augen sehen und erleben zu können. Von den Pinguinen ganz im Süden über die Atacama-Wüste bis hin zu Bergen, wie es sie in Europa nicht gibt. In meiner Zeit hier habe ich über 3000km mit Bus und über 8000km mit dem Flugzeug zurückgelegt. Da ist die An- und Abreise von je knapp 13000km noch gar nicht mit drinnen.
Durch seine Vielfalt begeistert Chile schon alleine jeden Touristen und ich habe niemanden kennengelernt, der von Chile enttäuscht war.

Da ich hier ein bisschen mehr war als nur ein Tourist konnte ich jedoch viel mehr von diesem Land entdecken. Ich konnte mir hier die Arbeitswelt ansehen und war froh mal über den Tellerrand sehen zu können und zu sehen, wie andere Firmen arbeiten. Auch in meiner Arbeit wurde ich auf unglaublich freundliche Art aufgenommen. Als man mir dann zum Schluss noch das Jobangebot gemacht hat, wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Das Praktikum war auf jeden Fall der Mühe wert und man bekommt gleich ein ganz anderen Eindruck als wie wenn man nur als Tourist hier ist.
Besonders interessant war es den Alltag hier zu sehen. Sprich es kehrt eine gewisse Routine ein und man erlebt das Land wesentlich intensiver und lebt auch mehr mit den Leuten. Hier hatte ich auch ein ganz besonderes Glück mit meiner Gastfamilie und ich erinnere mich gerne an die vielen Abende, wo wir einfach am Tisch zum ratschen zusammengesessen sind.
Selbst Santiago hat mich begeistert. Santiago spaltet normalerweise die Leute. Die meisten finden es laut und hässlich, mich hat die Stadt fasziniert und ich kann sagen, dass ich jetzt in Santiago eigentlich mehr zu Hause bin, als ich München. Alles ist super vertraut und ich hab das Leben in Santiago wirklich genossen.
Das wohl Beeindruckendste an Chile sind die Chilenen selbst. So viel Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Offenheit ist mir bislang noch nicht begegnet. Die Freundlichkeit ist nicht aufgesetzt, sondern kommt von Herzen. Es herrscht hier noch nicht diese Ellbogengesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben. Das sieht man auch auf der Straße, wo jeder auch morgens ein leichtes Lächeln im Gesicht zeigt. Vor allem die Menschen hier haben es mir unglaublich leicht gemacht. Man fühlt sich hier nie wirklich fremd und auch nie alleine oder alleine gelassen.
Ein großer Vorteil war es auch, dass ich hier schon Freunde hatte, die mich in einer unbeschreiblichen Weise aufgenommen haben. Ich werde sie in Deutschland unglaublich vermissen und weiß nicht so recht, wie ich diese Freundschaft über eine so große Distanz aufrecht erhalten kann. Es wird nicht einfach. Wir haben zusammen so viele unvergessliche Abende wir miteinander verbracht haben. Unvergesslich bleibt vor allem der Abend nach dem Erdbeben, als wir hier auf der Terrasse in Chicureo ohne Strom bei Kerzenlicht gegrillt haben. Es war eine ganz besondere Atmosphäre, die man in Worten schlecht beschreiben kann. Gemeinsam mit Freunden nach so einem Ereignis zusammensitzen zu können, lachen zu können und froh zu sein, dass niemandem etwas passiert ist. Gleichzeitig saß aber auch der Schock tief, wenn man sieht und hört, was anderen Menschen in Chile widerfahren ist.
Das Erdbeben ist mit Sicherheit auch eine ganz besondere Erfahrung. War es eine schlechte Erfahrung? Ich würde sagen, nein. Ich wünsche es wirklich niemandem, dass es einen so erwischt wie mich, aber man zieht aus so einem Ereignis auch positive Erfahrungen. Man fängt danach auf jeden Fall zu denken an, was wichtig ist und worauf es ankommt. Ich glaube, dass man nach so einem Erlebnis das Leben und jeden Tag, den man mit netten Leuten teilt wieder mehr schätzen lernt. Das klingt jetzt alles sehr sentimental, ist aber wahr und wirklich etwas Positives. Einer kleinen Knacks bleibt mir aber schon. Immer wenn ich ein Zimmer betrete, schweift zuerst der Blick über das Zimmer. Wo sind Fluchtwege? Gibt es sichere Ecken? Gibt es stabile Möbel? Es wird quasi ein unterbewusster Notfallplan ausgearbeitet.
Bei dem Erdbeben habe ich aber vor allem auch die Chilenen besser kennen gelernt. Es ist ein unglaublich starkes Volk. Nach dem Beben hingen überall Plakate „Chile se levanta“, die Autos hatten Aufkleber „Vamos Chile“ oder „Fuerza Chile“. Hier gibt niemand auf und irgendwie halten alle zusammen. Auch ich hatte als unbeschadeter Überlebender das Bedürfnis hier mitzuhelfen. Es war für mich nicht vereinbar, hier aus Ausländer eine geniale Zeit zu verbringen, Urlaub zu machen und gleichzeitig liegt ein Teil des Landes, in dem ich Gast bin, am Boden. Ich hab somit den ganzen Verdienst eines Praktikums für das Erdbeben gespendet und es tat wirklich gut auch helfen zu können.

Was bleibt nun wirklich hängen. Als ich hier ankam, wusste ich nicht, ob ich es bis zum Schluss durchstehen werde. Ich war am Landanflug ziemlich aufgeregt beim Blick aus dem Fenster. „Chile, so sieht es nun also aus! Das ist also das Land in dem ich die nächsten 11 Wochen leben werde“. Tief durchatmen.
Als ich dann abgeholt wurde, war die Aufregung verflogen und ich hab mich sofort wohl gefühlt. In meinem Blog habe ich kurz nach meiner Ankunft geschrieben, dass alles hier sehr vertraut wirkt und ich mich nicht als Fremder fühle. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Es bleiben ein paar Fragen:

  • Werde ich zurückkehren? -> Auf jeden Fall, und Südamerika ist zudem groß. Zudem haben mir alle Leute prophezeit, dass es nicht all zu lange Zeit dauern wird, bis ich nach Chile zurückkehren werde
  • Könnte ich es mir vorstellen hier eine Zeit zu leben? -> Auch das. Wenn sich die Gelegenheit ergeben würde, würde ich keinen Moment zögern
  • Würde ich für immer hier her gegen? -> Das kann ich nicht sagen. Ich denke, dafür bin ich einfach zu feige und auch zu sehr mit Leib und Seele Bayer. Ich würde auf Dauer zu viel vermissen

Ich habe meine Entscheidung hierher zu kommen auf jeden Fall keinen einzigen Tag bereut.

Vielen Dank Chile für die wohl schönste und beeidruckendste Zeit meines Lebens. Ich habe mich in dich, in die Lebensweise und auch in die Menschen hier verliebt. Einen Teil von dir nehme ich jetzt in meinem Koffer und in mir mit nach Deutschland und hoffe, dass ich noch lange von dir zehren kann.
Gestern Abend habe ich mich schon von Diego, dem Mann von der Pato verabschiedet. Es war ein ganz komisches Gefühl.

Mir graut vor dem Abschied am Flughafen. Es wird bestimmt super traurig. Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch meine Eltern, meine Freunde und meine gewohnte Umgebung in Bayern wieder zu sehen.
Die nächste Nachricht gibt es dann schon aus Deutschland.

Chile, otra vez muchas gracias. Te echaré muchismo de menos y nunca te olivadré.

Un abrazote muy fuerte