Nachruf zum Erdbeben und Asado bei Kerzenlicht

Danke euch allen, dass ihr euch Sorgen gemacht habt und mir alle per eMail oder über Facebook geschrieben habt.
Zuerst mal wollte ich euch allen mitteilen, dass ich auch die Nachbeben alle überstanden habe.
Es gab hier in Santiago insgesamt 4 Nachbeben. Eines gleich noch in der Nacht des Erdbebens mit einer Stärke von etwa 5, dann noch eines am Vormittag mit der Stärke 3-4 und heute morgen um etwa 9 Uhr noch eines mit der Stärke drei. Verglichen mit dem Beben von Samstagnacht, waren die Nachbeben total leicht. Vor allem die beiden Letzteren. Da hat nur der Boden ein bisschen vibriert und die Lampe hat ein wenig gewackelt.
Nach dem großen Beben am Samstag, haben wir dann versucht unten im Erdgeschoss ein wenig zu schlafen. Unten aus dem Grund, weil der Weg nach draußen kürzer ist. Natürlich angezogen, damit man schneller flüchten kann. Das Nachbeben kam zwar, war aber so schwach, dass wir nicht raus gegangen sind. Schlafen konnte ich nicht wirklich. Um etwa 10 Uhr hat es dann bei mir geklingelt und draußen standen der Bruder von der Pato und seine Freundin, um nach dem Rechten zu sehen. Ich hab kann mein Zeug zusammengepackt und dann bin ich mit zu denen in die Wohnung um dort auf die anderen zu treffen. Bei denen stand im Schlafzimmer das Bett mitten im Raum, gut 1,5 Meter von der Wand weg. Auf dem Weg (gut 5 Km) ist mir kein einziges beschädigtes Haus aufgefallen. Santiago hat also trotz der Stärke von über 7 hier, wirklich Glück gehabt.
Anschließend sind wir dann alle zur Pato aufs Land gefahren. Vorher waren wir noch einkaufen, was recht schwierig war, weil die großen Supermärkte alle zu hatten. Klar fiel ja alles auf den Regalen und musste erst wieder eingeräumt werden. Bei den wenigen offenen Läden gab es lange Schlangen. In den meisten Läden gab es aber so gut wie nichts zu kaufen. Brot war schwer zu bekommen. An den Tankstellen bildeten sich kilometerlange Schlangen.
Bei der Pato gab es keinen Strom (bis jetzt nicht). Da wir aber dann ohnehin ein Asado gemacht haben, brauchte es ja aber auch keinen Strom. Es war ein wahnsinnig schöner Abend und ich war heilfroh mit netten Leuten zu lachen und sich zu freuen, dass man es unbeschadet überlebt hat. Es herrschte bei dem Asado eine ganz seltsame Atmosphäre, die nur schwer zu beschreiben war. Es war die Mischung zum einen aus Dankbarkeit zum anderen aber hatte die Freundschaft und das nette Beisammensein mit meinen Freunden ein ganz anderen Stellenwert bekommen. Ich kann das nicht beschreiben. Auch wenn das ganze jetzt für Außenstehende sehr kitschig klingen mag, ich hoffe, dass mir nicht nur das Erdbeben, sondern auch dieser Abend im Gedächtnis bleibt.

Hier sind noch ein paar Bilder von dem Abend und endlich auch mal von dem Stück Fleisch auf dem Rost.

Die letzen beiden Bilder der Galerie sind am Abend des Bebens entstanden. Wir sind nett bis knapp 2 Uhr mit Rotwein zusammengesessen, nichtsahnend, dass um 3:34 Uhr morgens die Welt untergeht.

Zusammenfassend war es mit Sicherheit ein prägendes Ereignis. Ebenso prägend empfand ich es aber, mit welcher Lockerheit oder Professionalität die Chilenen die Sache meistern. Bin schwer beeindruckt. Das Beben war das 6. schwerste Beben weltweit seit der Aufzeichnung. Selbst hier in Santiago war es viel stärker als das Beben in Haiti. Deutschland wäre für Wochen völlig zum erliegen gekommen. Hier gehen die Leute am Tag danach zum Frühstück Kaffee trinken und die Busse fahren auch wieder.

Jetzt reicht es vom Abenteuer aber wirklich. So hatte ich mir meinen Aufenthalt in Chile eigentlich nicht vorgestellt, obwohl es mit trotz des Erdbebens immer noch gefällt. War wirklich sehr unwahrscheinlich genau diesen Zeitpunkt zu treffen.