Archive for April, 2010

Abschied von Santiago

Freitag, April 9th, 2010

Man glaubt es kaum, aber schon sind die 7 Wochen in Santiago fast rumm. Mir bleibt nur noch ein Tag hier. Am Samstag früh ziehe ich aus meinem Zimmer aus und werde dann noch eine Nacht am Land bleiben, bevor es dann am Sonntag in den Norden geht.

Viele Leute sagen, dass Santiago hässlich und laut ist, und dass es sich nicht lohnt, dass man hier mehrere Tage bleibt. Es ist zwar wirklich relativ laut und der Verkehr hier ist wirklich übel, aber alles in allem ist mir diese Stadt in meiner Zeit hier doch ans Herz gewachsen. Die Stadt hat so viele Facetten. Auf der seinen Seite Viertel mit modernen Bürogebäuden, die an New York erinnern, auf der anderen Seite kann man auf den Markt nach Recoleta gehen und man sieht ein ganz anderes Bild.

Diese Woche war es fast noch stressig, weil die Server noch fertig migriert werden mussten. Morgen Mittag geht es dann noch mit dem Chef und meinem, sagen wir Betreuer, zum Abschiedmittagsessen.
Es ist schier unglaublich, aber der Chef hier hat sich doch glatt bei mir erkundigt, ob ich mir vorstellen könne, in der Firma dauerhaft zu arbeiten. Ich hab es erst gar nicht verstanden, was er eigentlich fragen wollte. Durch meine Reaktion des Unverständnisses kam aber glaub ich durch, dass ich erstmal nach Deutschland zurückfahren werden (@Peter: Keine Angst ich komm schon wieder).
Nach der Arbeit bin ich dann noch in die Organisation, um mich auch da für alles zu bedanken. War ja wirklich alles super, auch dass das mit dem Umzug geklappt hat. Als ich dort auch von dem Jobangebot erzählt habe, haben die mir auch gesagt, dass ich nicht der erste wäre, der hängenbleiben würde. Was glauben die alle von mir? Was hab ich hier bei den Leuten wohl für einen Eindruck gemacht?
So toll das Angebot aber auch wäre, für so was bin ich auch einfach zu feige und vor allem hat man schließlich ja auch Freunde, Familie, die es auch auf jeden Fall wert sind, zurückzufahren. Auch würde mir der kleine, aber ständig präsente, Chaosfaktor wahrschleinlich schwer zu schaffen machen.
Kurzzeitig von Deutschland hier ins kalte Wasser springen war kein Problem, einen Sprung für immer kann ich mir nicht vorstellen. Auf jeden Fall haben sie mir prophezeit, dass ich nicht das letzte Mal in Chile war. Damit könnten sie wohl recht haben.

Nun geht es noch mit dem Amerikaner, der im selben Haus unten wohnt ein Abschiedbierchen trinken.

Morgen veranstaltet, dann die Gastfamilie ein Abschiedsessen für mich, bevor es dann am Samstag zur Pato und am Sonntagabend nach Arica geht.

Es ist Zeit hier in Santiago auf Wiedersehen zu sagen:

Es werden mir die grünen , lauten Busse fehlen, die schwarzen alten Nissan Taxis, die einen für wenig Geld überall hinbringen, mir werden die Leute auf dem Weg morgens zur Arbeit fehlen, denen nicht  der Frust im Gesicht steht. Es wird mir fehlen, dass man hier einfach deutlicher planloser in den Tag leben kann und am Ende sich die Probleme doch lösen, die Verabredung doch klappt. Auch weiß ich nicht, was ich in Deutschland ohne einen Castaño mit seinem leckeren, mit Manjar gefüllten Gebäck machen soll. Ebenso, dass man in der Mittagspause immer essen gehen kann, dabei draußen sitzen kann und anschließend noch ein Weilchen am Mapocho mit Blick auf die Anden in der Sonne dösen kann.
Mögen die Leute über Santiago sagen was sie sollen, ich hab mich sau wohl gefühlt.

Danke Santiago, lebe wohl und bis bald.

Nach Punta Arenas – Patagonia y Magellanes

Montag, April 5th, 2010

Erster Tag, 2.4.:

Am Freitag Abend hat die Familie hier noch das ganze Erdegeschoß voller Dachlatten gelegt. Das Erdbeben hat dem Dach den Rest gegeben, so dass es nun wahrscheinlich nicht mehr dicht ist. Gut, dass ich übers Wochenende nicht da bin. Heute hat mich der Flughafen Transfer pünktlichst abgeholt. Am Eingang zum nationalen Terminal konnte man immer noch das Check-In-Zelt sehen, das als  Ersatzterminal nach dem Erdbeben aufgebaut wurde. Sonst hat man am Flughafen nicht mehr viel sehen können. An der Decke hat hier und da die Verkleidung gefehlt und man wurde ziemlich viel rummgelotzt. Positiv viel auf, dass man hier in Südamerika noch ohne Probleme seinen Waschbeutel mit ins Handgepäck packen kann. Schön, dass die hier nicht jeden Mist, der von den Amerikanern und en Europäern kommt, mitmachen. Waffen sind aber trotzdem verboten, worauf auch detailliert hingewiesen wurde :-). Auch der Flug startete absolut pünktlich. Das Flugzeug von Skyairline war eine alte 737-200, die bestimmt schon 25 Jahre auf dem Buckel hatte. Der Flug war aber absolut ruhig und der Service exzellent. Bis Puerto Montt, wo es eine Zwischenlandung gab, gab es erstmal ein ausgiebiges Frühstück. Die Landschaft auf dem Weg war reizvoll. Von Santiago wurde es immer grüner. Dann kam ein Vulkan nach dem anderen, der sich hinter den Seen in den Himmel erhob. Die meisten mit einer weißen Kuppe aus Schnee. Nach den ersten 1000km und dem Lago LLanquihue und dem Vulkan Osorno, welche beide ein Wahnsinns Bild abgeben, ging es in den Landeanflug nach Puerto Montt. Die Gegend sah hier genau so aus, wie zu Hause. Man hätte auch in der Nähe vom Chiemsee landen können. Gut, dass ich statt dem Süden von Chile nach meinem Praktikum den Norden mache. Da sieht man wenigstens einen Kontrast zu zu Hause. Kein Wunder, dass sich hier so viele Deutsche im letzen Jahrhundert niedergelassen haben.  Nach dem Auftanken ging es weiter Richtung Süden. Es lagen noch mehr als 2000km vor uns und nun gab es ein ausgiebiges Mittagessen. Ich war nachher total satt. Zuerst hüllte sich alles in Wolken. Dann konnte man aber zwischen einigen Lücken Berge, Seen und die ersten Gletscher erkennen. Das Eis nahm zu, die Gletscher wurden mehr, schillerten in tiefen blau und ergossen sich in einzelnen Fjorde, wo sich Treibeis bildete. Das steigerte ich solange bis alles nur noch weiß war. Aus der weißen Fläche ragten nur einzelnen Felsen. Das waren die beiden südamerikanischen Inland-Eisfelder „Campo de Hielo de San Valentin“ und „Campo de Hielo Sur“. Die zwei größten Eismassen auf der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis. Jedes 250km breit und lang. Mindestens eine halbe Stunde sind wir nur über Eis und Gletscher geflogen. Es war mit Abstand die beeindruckendste Landschaft, die ich je überfolgen habe. Jeder Gletscher in den Alpen ist da was fürs Kinderzimmer. Nach den Eisfeldern kam ein hohes Felsmassiv. Das Massiv des „Torre del Paine“. Direkt danach wurde es flach und öde. Einsames Grasland ohne Bewuchs. Man konnte die Magellanstraße bis zum Atlantik sehen. Kurz darauf landeten wir auch schon (nach knapp 4 Stunden und 3000km) am Flughafen in Punta Arenas. Gleich beim Aussteigen merkte man, dass es hier ziemlich frisch war. Es blies ein kalter Wind. Welcher Trottel packt da seine beiden Jacken ganz unten in den Rucksack, so dass er erstmal alles ausräumen muss? Mit dem Transfer ging es dann ins Stadtzentrum. Ich wollte mich gleich im Touristen Büro nach einer Pinguin-Tour erkundigen. Aber am Karfreitag hat das natürlich zu. Also erstmal in die Unterkunft. Das Hostel war wirklich nett. Ähnelte eher einer Berghütte mit hübschen Zimmern. Passte einfach super in diese unwirkliche Gegend. Im Hostel hab ich dann einfach mal nach einer Tour gefragt und schon hatte die Besitzerin den Telefonhörer in der Hand und hat rumtelefoniert. Die meisten Touren zu den Pinguinen gibt es nur bis März, da war ich ja dann 3 Tage zu spät dran. Trotzdem hat sie nach 3 Telefonate was gefunden. Ich sollte gleich losgehen und reservieren, was ich auch gemacht habe. Nach 30 Minuten stand alles fest. Es hieß um 5:30 Uhr aufstehen am nächsten Tag. Nun blieb noch Zeit für einen Spaziergang durch die Stadt und auf den Aussichtshügel der Stadt. Hier oben sind Wegweiser in die Städte aller Welt aufgestellt. Nach Deutschland sind es 13500km. An den Südpol doch immer noch 4000km. Trotzdem werde ich wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr näher an den Südpol kommen. Die Stadt Punta Arenas ist an sich nichts besonderes. Sie besteht aus recht vielen bunten Häusern und zwei Einkaufsstraßen. Unten am Meer haben sie eine neue Hafenpromende angelegt. Dort kam ich dann endlich mal in die Gelegenheit meine Hand in südamerikanische Gewässer zu halten. War gar nicht so kalt. Aber ich war im Zwiespalt. War es der erste Kontakt mit dem Pazifik? Eigentlich nicht, weil es war ja ein bisschen Atlantik und ein bisschen Pazifik hier an der Magellan-Straße. Toll ist es auf jeden Fall, dass man auf der anderen Seite der Magellan-Straße immer ganz klar Feuerland stehen sieht. Zum ersten Mal wurde ich in meiner Zeit hier Schoko-rückfällig und hab mir für  ein Heiden Geld eine Nestle-Schokolade gekauft. Die Schokolade ist sonst einfach nicht so gut hier. Nun ging es ins Hostel. Es war nun schon ziemlich kalt. Auch im Hostel war es nicht unbedingt wärmer. Da half auf der Sonnenuntergang mit Blick auf Feuerland aus meinem Fenster nicht weiter.

Zweiter Tag, 3.4.:

Um 5:30 Uhr klingelte der Wecker. Es war im Zimmer eisig kalt. Alles war klamm und alles war dunkel. Es gab wieder mal einen Apagón, zu deutsch einen Stromausfall, der ein ganzes Viertel oder eine ganze Stadt betrifft. Also alles im Dunkeln organisieren. Als ich dann zum Treffpunkt gelaufen bin, gab es nach ein paar Straßen auch wieder Licht. Also betraf es nur das Viertel. Am Treffpunkt waren schon einige Leute und so ging es dann auch in Minibussen los zur Bootsanlegestelle. Die Busse waren nicht mehr so ganz fit, so dass bei der einen oder anderen Bodenwelle schon mal der Reifen am Radkasten anging. Naja, das Jesuskreuz am Spiegel wird es hoffentlich richten. Aber wir kamen gut am Steg an und kletterten auf das Boot. Dann fuhren wir ca 30 Minuten zur Isla Magdalena mitten in der Magellan-Straße. Als wir ankamen wurde gerade eine Gruppe Kreuzfahrer abgeholt. Danach konnten wir anlegen. Man konnte die Pinguine schon von weiten sehen. Auf der Insel gab es hunderte Pinguine. Sonst war die Insel völlig kahl. Es wuchs fast kein Grashals auf der Insel. Dazu kam das Wetter. Es hatte zwischen 0 und 2 Grad, dazu gab es ein paar große Regentropfen und einen eisigen Wind. Wenn man dann noch die beiden Holzhütten am Steh sah, dann hatte man fast das Gefühl direkt in der Antartiks zu gelandet zu sein. Ich denke, das war wohl der extremste Ort an dem ich je war. Die Pinguine waren aber echt witzig. Sie wirken so ungeholfen, wenn man sie durch die Gegend watscheln sieht. So was mal in der Natur zu sehen…. .  Man konnte auch relativ nahe hin. Vom Leuchtturm hatte man dann eine guten Ausblick auf die Insel und die Magellan-Straße und auf Feuerland. Nur das Wetter wurde nicht besser. Mit dem Boot ging es dann weiter zur Isla Marta. Der Seegang wurde rauer und die Wellen höher, was den Kapitän aber nicht davon abhielt langsamer zu fahren. Nach jeder Welle schlug das Boot wieder heftig auf dem Wasser auf. Kann sein, dass mein Platz ganz vorne im Boot auch nicht der günstigste war. Zumindest habe ich nette Leute kennengelernt. Eine aus Guatemala und eine aus Deutschland, welche beide nun mit dem Polar Forschungsschiff Polarstern zurück nach Deutschland fahren. Hier runter scheint es auch nur extreme Leute zu verschlagen. An der Isla Marta haben wir dann noch einen ganzen Haufen großer Robben und Kormorane gesehen. Jetzt war auch mir trotz T-Shirt, Woll-Pulli, Fleece-Jacke, Outdoorjacke und Bergschuhen eisig kalt. Wie haben das mach andere in Turnschuhen wohl durchgestanden. Dann ging es zurück mit dem Boot auf Festland und dann in den Bussen nach Punta Arenas. Dort wollte ich mich erstmal im Hostel aufwärmen. Fehlanzeige. Auch da war es eisig kalt. Was bliebt war, sich eine Stunde mit Hose und Pulli ins Bett zu legen, dazu dann eine Tasse Tee. Nach einer Stunde war ich wieder fit und konnte noch am Strand entlang laufen

Dritter Tag, 4.4.:

Am dritten Tag musste ich erstmal ausschlafen. Danach bin ich noch in die Stadt und dann ginge s auch schon zum Flughafen. Pünktlich ginge es los Richtung Puerto Montt und Santiago. Bis Puerto Montt war hatte ich eine Reihe für mich, dann stieg ein augebretzeltes Mädel zwischen 20 und 30 ein. Irgendwie kam die am Anfang ziemlich arrogant rüber. Irgendwie sind wir dann ins Gespräch gekommen. War dann wirklich nett und auch sehr interessant. Sie arbeite bei einem Fernsehsender und hatte dadurch auch viel bei den Festspielen von Viña zu tun. Sie hat mir dann gleich einen ganzen Haufen Foto von ihr mit allerlei Bekannten Leuten, wie Americo, gezeigt, von denen ich aber als Deutscher nur die wenigstens kannte. Auf jeden Fall war es so kurzweilig und ein weiteres Mal kann ich sagen, dass der erste Eindruck auch täuschen mag.

Puhh, jetzt hab ich aber einen echten Roman geschrieben. Zusammenfassend kann ich sagen. Es war ein beeindruckendes Wochenende. So südlich werde ich wahrscheinlich in meinem Leben nicht mehr kommen. Es lohnt ich dort einmal hinzufahren. Wegen der karren Landschaft, wegen der Pinguine. Ein Leben dort, wäre für mich aber unvorstellbar. Wenn die Sonne scheint, ist es dort ganz nett, aber wenn es erstmal regnet drückt es schon ganz schön auf die Stimmung. Und ich war dort quasi in der guten Jahreszeit. Es bekommt im Sommer dort maximal 14 Grad. Es gibt nicht viele Orte die ein viel schlechteres Wetter haben als Deutschland. Punta Arenas gehört auf jeden Fall dazu. Im Moment sitze ich hier in Santiago kurzärmlig bei offenem Fenster und genieße die Wärme.

Es sind die kleinen Dinge

Donnerstag, April 1st, 2010

Wie man aus meinem Blog sicher herauslesen kann, fühle ich mich hier pudelwohl. Dennoch begegnen einem ab und an Situationen, in denen man dann doch an Deutschland zurückdenkt. Ich Liste hier mal ein bisschen was auf:

  • Warum gibt es keine Duschen die die Temperatur halten können? Zur Strafe,weil ich mich innerlich immer über die Duschen geärgert habe, wenn ich erfroren bin oder mich verbrannt habe, gibt es bei mir in der Wohnung nun seit 5 Tagen nur noch kaltes Wasser. Brrrr
  • Als Informatiker hat man es in Chile schwer. In den Online-Shops bekommt man fast nichts. Ich musste RAID-Controller heraussuchen. Hier in Chile hat man bestenfalls die Auswahl aus 5 Controllern. Hab im Vergleich in Deutschland geschaut, da waren es 140 Typen. Wie kann eine IT-Firma hier existieren?
  • Nach etwa 4 Wochen bekam ich wirklich Probleme mit dem Weißbrot. Ich konnte es nicht mehr sehen. Vor allem, weil es weitaus weniger gut schmeckt als das Weißbrot bei uns zu Hause. Aber hier in Chile gibt es eine Lösung. Die Bäckerei Fuchs, Nachfahren deutscher Einwanderer, machen ein wirklich gutes Vollkornbrot. Nur ist die Kruste war etwas weich und erinnert an Toast. Wie man eine Kruste bekommt, ging wohl über die Generationen verloren.
  • Hier in der Arbeit kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Vor zwei Wochen habe ich neue Server herausgesucht, die ich aufsetzen soll. Bis heute ging die Bestellung nicht raus. Wenn das so weiter geht, sehe ich die Server nicht mal mehr.
    Ebenso hat ein Provider am Freitag etwas an einem Router umgestellt, womit auf einen Server dann nicht mehr zugegriffen werden konnte. Es wird telefoniert, eine eMail geschrieben und auf die Antwort wartet man Stunden, bis es wieder klappt gar 2 Tage. Da können wir uns mit IP-Exchange und sogar Mnet glücklich schätzen.
  • Ich bin froh, wenn der Boden nicht mehr wackelt. Temblores hat es immer mal wieder. So auch in der Nacht von Sonntag auf Montag um 4 Uhr morgens. Da fing es an zu zittern. Aufstehen, ja oder nein? 10 Sekunden warten, ob es aufhört. Es hört nicht auf, könnte also wieder was größeres sein! Also aufstehen, Schuhe anziehen und die Treppe runter. Soweit kam es aber nicht, weil als ich die Schuhe an hatte, hat es wieder aufgehört. Temblores wie diese, so um die Stärke 4 oder 4.5 bringen einen zwar nicht mehr aus der Ruhe, das hat man nun schon irgendwie im Blut, aber auf die Nerven geht es einem doch, wenn man wieder Nachts geweckt wird.
    (für den, den es  interessiert: http://www.sismologia.cl; da steht auch in den Details, wie stark nach Mercalli es in Santiago zu spüren war, wenn es zu spüren war)
  • Ruhe beim Schlafen. Jetzt habe ich das Glück ohnehin in einer Seitenstraße zu wohnen. Dennoch ist es so, dass man wegen des Straßenlärms nachts bei offenem Fenster nicht schlafen kann. Bei tagsüber 30 Grad heizt sich das Zimmer ziemlich auf, so dass man dann die Wahl hat zwischen Lärm bei offenem Fenster und Hitze bei geschlossenem Fenster. Hab versucht die Lüft-Tatik zu verändern, aber ein befriedigendes Ergebnis konnte noch nicht erzielt werden.
  • Nach der Arbeit mit der Metro heimfahren ist wirklich extrem. Wahnsinnig voll, stickige Luft und heiß. Der Bus ist normalerweise besser. Ab 30 Grad draußen wird aber auch der Bus schwer erträglich, denn der Bus ist nicht klimatisiert und ebenso ziemlich voll. Eine Dusche (mit kaltem Wasser, weil warmes gibt´s ja im Moment nicht) danach ist wirklich angebracht. Da freu ich mich schon ein bisschen auf mein Auto.
  • Warum kann man eine Klimaanlage nicht vernünftig einstellen. Wenn ich morgens in die Arbeit komme, dann ist es da schön warm. Also Pulli ausziehen. Dann wird die Klimaanlage eingeschaltet und es bläst ein eisiger Wind durchs Büro. Zusätzliche Ventilatoren tun ein übriges, um die Sache noch anspruchvoller für den gesunden Körper zu machen. Also Pulli wieder anziehen. Dann Pulli ausziehen und in die Mittagspause. Draußen hat es angenehme 30 Grad. Man kommt leicht ins Schwitzen. Nach der Pause geht es wieder zurück ins Büro in den arktischen Sturm.
    Kein Wunder, dass ich mir am letzten Wochenende dann eine fetzen Erkältung eingefangen hab. Bin mit Halsweh rummgelaufen und die Nase ist auch ganz schön gelaufen. Ich glaub, ich war knapp drann, dass ich flachgelegen wäre.
  • Zu Hause kommt man auch ohne Personalausweisnummer durchs Leben. „Y su R.U.T por favor?“, „Introduzca su R.U.T“. Ohne diese R.U.T.-Nummer, die man als Tourist hier nicht hat, wird alles recht schwierig, wenn man doch kein chilenisches Konto oder eine chilenische Kreditkarte (für beides ist natürlich eine R.U.T obligatorisch)  hat, wird es oft schwierig. Da bin ich froh, wenn ich in Deutschland alles wieder online regeln kann.
  • Chile scheint das Land mit dem weltschlechtesten Kaffee zu sein. Dabei wäre doch z.B. Kolumbien auf dem selben Sub-Kontinent. Wenn man hier Kaffee macht, dann ist das Nescafe-Instant-Kaffee. Es gibt zwar vereinzelt Kaffee-Häuser, wo es auch besseren Kaffee geben soll, aber in der Regel bekommt man dieses Nescafe-Zeug. Und ich meine nicht Nespesso oder so. Hier freue ich mich auf den Kaffee aus der Jura-Maschine in der Arbeit.
  • Auch wenn ich mich irgendwie überall mit Spanisch durchschlagen kann, es mich auch nicht mehr anstrengt einfach mal ein paar Stunden auf Spanisch zu ratschen und ich diese Sprache immer noch wahnsinnig schön finde, kommt manchmal doch das Verlangen auf einfach Bayerisch reden zu können. Ein Polt-Video im Internet hilft einem da aber ganz schnell weiter.
    Und es bleibt das Problem mit ein bis zwei Arbeitskollegen, bei denen ich von 10 Wörtern effektiv 2 verstehe. Ich dachte, dass sich das mit der Zeit gibt, aber es hat sich nicht gegeben. Quote ist immer noch 10:2, sprich eine Kommunikation ist nicht machbar. Ist aber auch nicht die feine Art. Wenn ich schon weiß, dass da ein Ausländer da ist, der sich quält und sich Mühe gibt die Landessprache zu sprechen, dann kann ich einem doch ein wenig entgegenkommen. Wir Bayern reißen und ja auch zusammen, wenn ein Ausländer oder Norddeutscher kommt. Ist irgendwie eine Sache des Anstandes. Aber dann sag ich mir halt auch als Trotz, na gut dann halt nicht. „Ich Deutsch – nix verstehen.
  • Auch mit einem großen Geldschein keine Probleme zu haben. Ich weiß nicht warum, aber die Chilenen haben mit großen Geldscheinen Probleme. Der größte Geldschein ist 20000 $ also etwa 26 €. Diese Scheine wird man wirklich nur los, wenn man in einem Supermarkt groß einkaufen geht. In einem Lokal, in dem man für 3000 $ gegessen hat, macht man sich sehr unbeliebt und verursacht ein riesen Durcheinander, wenn man mit einem 20000er Schein zahlt. Genauso, wenn man in der Bäckerei etwas für 600 $ (ca. 1€) kauft und versucht mit einem 10000 $ (13 €) Schein zu gezahlen. Der Bankautomat hat mir einmal 5 20000 $ Scheine gegeben. Bis ich die los hatte….. (nicht wundern. $ ist hier die ofizielle Abkürzung für den chilenischen Peso)

So jetzt aber genug genörgelt. Aber es hilft, dass man einsieht, dass daheim auch seine Vorzüge hat. Auch wenn ich im Moment noch nicht wirklich ans Heimfahren denken mag.